Puppenfrauen in der NPD
Frauen wollen liebe Mädchen sein, behütet und umsorgt werden. Zu dem Schluss wäre ich nach den letzten Artikeln über die modebewussten Gothic Lolitas und eleganten Schmuse-Kätzchen gekommen. Sanftmut, Einfühlungsvermögen und Tiefsinnigkeit sind Attribute mit denen sich junge Frauen gerne schmücken.
Wen wundert es da, dass Frauen nichts mit der Grobschlachtigkeit und Verfassungsfeindlichkeit rechter Gruppen aus bildungsfernen Schichten anfangen können.
Die 39-jährige Drag Queen Olivia Jones erkundigte sich bei einer Wahlkampfveranstalung der NPD in Hannover nach der Frauenquote im Rechten Lager und musste ernüchternd feststellen das sich kaum eine „Frau“ für die Partei an diesem Tag interessiert zeigte. Bundesweit sind nur 19% der NPD-ParteibuchbesitzerInnen weiblich. „Aber irgendwie müsst ihr euch doch auch fortpflanzen!“ ,konfrontierte die Entertainerin einen der ’schlagunfertigen’ Parteisympathisanten.
Vielleicht angeregt durch Olivia Jones Hinweis reagiert die NPD. Möglicherweise trieb sie die Angst eventuell doch als „Schwulen-Verein“ in der Öffentlichkeit dargestellt zu werden. Man möchte anscheinend den potentiellen Wählerkreis vergrößern und es sieht erschreckender weise so aus als wollte die rechte Szene mit einem angedeuteten, versuchten Imagewechsel nun auch die Frauen für sich gewinnen.
Auch die Bundeszentrale für politische Bildung hat bemerkt das speziell Frauen geködert werden sollen. Das Land Brandenburg stellt hierzu fest, dass das Frauenbild bisher im Parteiprogramm der NPD recht einseitig durch kuriose Argumente konstruiert wird. „Selbstverwirklichung“, so wird das Parteiprogramm zitiert, sei abzulehnen.
Die Projektgruppe „Lola für Lulu“ sieht die Entwicklung noch verschärfter. Die zunehmende Anzahl weiblicher NPD-Wähler sei vor allem auf das „deutliche Engagement in der Kinder-, Jugend- und Familienarbeit“ zurückzuführen. Durch die Gewinnung von mehr Frauen könne sich die NPD „in Mecklenburg-Vorpommern zunehmend als bürgerliche und sozial engagierte Organisationen präsentieren“. Frauen als Wählerinnen sind dienliche, begehrte und wirksame Imageverbesserer.
Sind Frauen modisch auf der Höhe der Zeit gekleidete Marionettenpüppchen zu Werbezwecken oder brav auf dem Kamin in der Küche sich rekelnde Schmusekätzchen?
Links:
- Spiegel online: So werden Mädchen zu Nazibräuten
- Die neusten Beiträge über den „Ring nationaler Frauen“, einer Unterorganisation der NPD, auf www.netz-gegen-nazis.de
- Frontal 21über die Imagekampagne „Dresdner Schule„
- Symbole und Codes von rechtsextremen Gruppierungen entschlüsselt man mit „dem Versteckspiel“


Oktober 5, 2008 um 10:04
Sehr sehr interessant. Deine Beiträge sind inspirierend und führen was Visual Kei und Frauen angeht viel weiter als meiner, obwohl die Richtung ähnlich ist. Wird Zeit dass ich meinen darbenden Blog mal wieder füttere.
… bis dann!